Ein bisschen Geschichte Nordamerikas Teil1

ein bisschen geschichte nordamerikas
von alfred metz
„wir halten diese wahrheiten für ausgemacht, dass alle reichen, weißen männer gleich erschaffen sind.“ – vom völkermord in nordamerika und der dortigen „demokratie“.
„we hold these truths to be self-evident, that all men are created equal“ – “wir halten diese wahrheiten für ausgemacht, dass alle menschen gleich erschaffen sind.“ so steht es geschrieben in der us-amerikanischen unabhängigkeitserklärung von 1776. ein schönes ideal, wegbereiter für die moderne und fortschrittlich für die damalige zeit… doch halt!- wenn ‚all men’ im englisch-geschichte-der-usa-unterricht mit ‚alle menschen’ übersetzt wird, dann stellt sich schnell die frage: stimmt das wirklich?- ich suche rat bei meiner englischlehrerin und die antwort ist ernüchternd: „na ja, im historischen kontext heißt es natürlich ‚männer’.“ aha, aber der ‚historische kontext’ ist im geschichtsuntericht wohl nicht so interessant? das frauen auch menschen sind und es schon immer waren ist also auch nicht so wichtig?- ich forsche weiter nach und stoße auf mehr ungereimtheiten. auf eine darstellung des historischen, die ziemlich einseitig und undifferenziert ist. ich stoße auf den völkermord an den ureinwohnern amerikas, auf dem die besiedlung nordamerikas letztenendes basiert und ich stoße auf viele andere sachen in der verfassung, die jener unabhängigkeitserklärung folgte, aber nicht auf demokratie, die die vereinigten staaten, doch eigentlich so vorbildlich als eine der ersten modernen staaten eingerichtet zu haben behaupteten und behaupten.

begonnen hat alles im jahre 1492 als christoph kolumbus amerika *entdeckte*. nein, es begann vor mehreren tausend jahren, als die ersten menschen diesen kontinent betraten, aber offiziell *entdeckt* hat ihn scheinbar kolumbus. seinerzeit lebten im nördlichen amerika – die schätzungen schwanken stark – 10 bis 25 millionen ureinwohner. mit der besiedlung durch die spanier und schließlich europäer begann eine phase von sklaverei, ausbeutung, mord und totschlag, so dass am ende kaum eine million der ursprünglichen nordamerikaner übrig blieben. so gab es zum beispiel auf dem heutigen haiti, als kolumbus dieses erreichte, 250.000 (sogenannte) *indianer* vom stamme der arawak. zwei jahre später waren es nur noch halb so viele, 150 jahre später gab es keinen einzigen mehr. nichtsdestotrotz wird kolumbus auch heute noch oft als großer seefahrer, abenteurer und schließlich als begründer der *neuen* welt dargestellt.
ähnlich gestaltete sich gut 100 jahre später die kolonialisierung nordamerikas. es lassen sich darstellungen finden, nach denen die siedler zur umsetzung ihrer aufklärerischen ideale einen fast menschenleeren kontinent zur verfügung hatten. nun, es lebten damals, wie gesagt etwa 10 bis 25 millionen menschen in nordamerika. die erste englische dauersiedlung jamestown, 1607 gegründet, befand sich auf dem territorium einer *indianer*-konföderation. die ersten englischen siedler, darunter auch die puritanischen pilger der „mayflower“, die amerika 1620 erreichten, hielten diese *indianer* für unzivilisierte wilde und sich selbst für höher entwickelt, besser und fortschrittlicher. aber überleben, das fiel ihnen deutlich schwerer, als den ‚wilden’ ureinwohnern. in den ersten jahren kam es vermehrt zu hungerwintern, so im jahre 1624. diesen überstanden gerade mal ein viertel der damaligen kolonisten. dies geschah mit hilfe der ‚unterentwickelten’ *indianer*, die im einklang mit der natur lebten und ihr genug zum leben abgewinnen konnten ohne sie zu zerstören, und auch teilweise durch kannibalismus. sehr ‚fortschrittlich’ also. als dank für die zunächst hilfsbereiten ureinwohner wurden diese getötet und deren dörfer verbrannt. so kam es beispielsweise 1636 zum krieg gegen den stamm der pequot, der hauptsächlich durch massaker an der zivilen bevölkerung geführt wurde, da die engländer, trotz deutlich *besserer* waffen nicht in der lage waren, militärisch zu gewinnen. auch die *indianer* verübten massaker an den siedlern, aber man darf nicht vergessen, wer den krieg begonnen hatte und wie sie den engländern zuvor begegnet waren. am ende waren 3000 pequot und 600 engländer tot.
doch wer waren diese ureinwohner? oft wurden und werden sie als primitive menschen beschrieben, ohne echte kultur, gerne auch also rohe, mordende wilde. nun, es hatten sich bis zur damaligen zeit 100te von verschiedenen stammeskulturen entwickelt, in denen es etwa 2000 verschiedene, teils sehr komplexe sprachen gab. hier vereinheitlichend nur von „indianern“ zu sprechen ist daher eine allzu starke vereinfachung. diese menschen hatten die landwirtschaft wie in allen anderen kontinenten perfektioniert und teilweise ähnliche hochkulturen wie in ägypten oder mesopotamien entwickelt. als beispiel für diese *indianer* sind die irokesen zu nennen, die in einer art konföderation bestehend aus fünf stämmen lebten. in dieser gab es keine festgelegten gesetze und keine autoritären instanzen zur machtausübung. allgemeine normen und regeln, deren wichtigste die bereitschaft besitz zu teilen, das kulturelle erbe und die solidarität mit dem volk waren, genügten um das leben zu organisieren. so berichtete ein französicher jesuiten-priester folgendes: „sie brauchen keine armenhäuser, weil es keine armen und bettler unter ihnen gibt.“ es gab keine standesunterschiede und die äcker und häuser wurden als gemeinschaftseigentum verwaltet. die kinder wurden frei erzogen, eine ausgeprägte individualität war erwünscht, wohingegen sie sich nicht übermäßiger autorität unterwerfen sollten. harte strafen gab es für sie nicht.
natürlich muss man sich hüten von arroganter abschätzung ins gegenteil zu verfallen, also allzu sehr dem mythos anzufallen, die geschichte andersherum zu romantisieren. auch zwischen *indianern* gab es kriege und in einigen kulturen gab es einige sehr brutale rituale, aber dennoch:
nordamerika war nicht ‚fast menschenleer’, keine öde wildnis, es war teilweise dicht besiedelt und gab eine vielzahl von komplexen kulturen. eins war den meisten dieser kulturen jedoch gleich: sie kannten kein privateigentum. die vorstellung, ein einzelner mensch könne grund und boden zu besitzen war für sie so absurd, wie die vorstellung er könne die luft besitzen. der boden war ihnen heilig und so verstanden sie es auch nicht, als die engländer kamen und gebiete kaufen wollten – und verkauften sie auch nicht. in europa herrschte ein ganz anderes wertesystem, welches auf patriarchalischer machtausübung der reichen und der hohen vertreter der christlichen religion gegenüber den armen basierte. und es gab dieses eigenartige denken von privateigentum und als sie so in konflikt mit den *indianern* gerieten, benutzen sie gewalt. so wurde es möglich, dass die kolonialisierung schließlich zum völkermord der nahezu gesamten ursprünglichen bevölkerung führte.
man konnte also schon in den anfängen der kolonialisierung ein großes potenzial von ungleichheit erkennen. wie sich das dann in der eingangs erwähnten unabhängigkeitserklärung und schließlich in der verfassung manifestierte erfahrt ihr in der nächsten ausgabe.

fortsetzung folgt…

Buchempfehlung: Howard Zinn „Eine Geschichte des amerikanischen Volkes“